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Bericht in der FAZ am Ostersonntag 2022

Gepostet von Michelle Kramer am
Bericht in der FAZ am Ostersonntag 2022

OSTEREIER XXL Kein Ei ist wie das andere Ostereier mal anders: Die Designerin Michelle Kramer bemalt das ovale Rund von Nandu, Gans und Strauß. Jedes Exemplar hat seine eigene Herausforderung. Von Katja Winter (Text), Lucas Bäuml (Fotos)

 

Kein Ostern ohne Hasen. Und kein Ostern ohne Eier. Doch wer glaubt, es müssten immer nur Hühnereier sein, die man fili­gran an Sträucher hängt, der irrt. Es kann auch schon einmal größer ausfallen. Jedenfalls bei Michelle Kramer. Die gelernte Modedesignerin aus Neu-Isenburg war vor sechs Jahren, damals noch im Auftrag des elterlichen Schmuckbetriebs, auf einer Messe unterwegs, als eine Frau nach bestimmten Steinchen zum Verzieren ihrer Straußeneier fragte. Kramer konnte ihr nicht helfen, linste aber zu der Kundin hinüber, die selbst einen Stand in der Nähe hatte. „Diesen Moment werde ich nie vergessen“, erinnert sich die Fünfzigjährige. Nach Jahren in dem Schmuckbetrieb suchte sie ohnehin nach einer neuen Herausforderung. Und beim Anblick des robusten Eis im XXL-Format war die neue Perspektive plötzlich da.

Seither betreibt sie, erst nebenbei und seit dem vergangenen Jahr hauptberuflich, das Label „Ei-nzigartig“. Sie führt das Unternehmen zusammen mit ihrem Mann Frank, der für den Vertrieb zuständig ist. Ihre Kreationen reichen von naturalistischen Hasenzeichnungen, die mit feinem, silbrigem Puder überzogen sind, über floral verzierte Hasenköpfe bis hin zu stylishen „Hasen-Models“, die im Stil von bekannten Designern wie Jean Paul Gaultier oder Mode-Ikone Iris Apfel gestaltet wurden – wobei diese Modelle tatsächlich einen Osterstrauß zieren können, stammen sie doch vom Nandu oder von der Gans und sind somit deutlich kleiner als das Straußen-Pendant. Aber auch die Gänsevariante ist immer noch größer als ein Hühnerei. Die Nandu-Eier bekommt sie von einem privaten Halter aus Darmstadt. Dort kann sie auch sicher sein, dass die Tiere gut gehalten werden, wie sie sagt. Größentechnisch liegen sie irgendwo zwischen Gans und Strauß. Kramer verwendet die Exemplare gerne für Designs mit Federn vom Hahn oder den farbenprächtigen Federn des Königsfasans.

Am Anfang sei es schwer gewesen, mit ihren Kreationen Fuß zu fassen. Aber über Instagram habe sie sich einen erweiterten Kundenstamm aufgebaut – gemeinsam mit einer anderen Designerin, mit der sie sich regelmäßig austauscht und unterstützt. Beide liefern Dekorationsideen, die mit ihren Produkten verwirklicht werden können. Kramer steuert die Straußeneier bei, und ihre Kollegin Debora von „Drosselbart-Design“ fertigt dazu ausgefallene Kränze, in die das Ei einfach drapiert werden kann. Social-Media-Kanäle seien ein schwieriges Pflaster, weiß die Designerin aus Neu-Isenburg. Umso wichtiger sei ihr der kreative Austausch. Ideen und Inspiration liefern, das ist Kramers Konzept.

Aufgepeppt: Osterhasen wie auf dem Laufsteg. Beliebt sind aber auch nach wie vor klassische Motive. Lucas Bäuml

Inzwischen läuft es für „Ei-nzigartig“ rund. Es gibt Tage, da arbeite sie von acht Uhr in der Früh bis Mitternacht, um all die Eier zu gestalten. Im Durchschnitt erhält sie zwei Bestellungen am Tag. Wenn ein Design auf Instagram besonders gut ankommt, dann werden an einem Wochenende aber auch schon einmal 30 Eier geordert. Etwa 50 Nandu-Eier verarbeite sie im Jahr und an die 700 Straußeneier. Inzwischen hat sie eine gewisse Routine entwickelt. Das sah am Anfang noch ganz anders aus.

Bis das Design exakt so auf dem Ei platziert war, wie sie sich das vorgestellt hatte, dauerte es mitunter zwei Wochen, wie Kramer sagt. Mittlerweile kommt es darauf an, wie viele Lagen aufgetragen werden, bis das Ei fertig ist. Dabei müssen es nicht immer ihre eigenen Entwürfe sein, die sie verwirklicht. Sie arbeitet auch spezielle Aufträge ab. Erst vor Kurzem habe sie für Kunden ein „KISS“-Ei gestaltet. Auch Fotos kann sie auf ein Ei übertragen.

Dass sie aus der Modebranche kommt, sieht man ihren Kreationen an. Neben Hase und Co. schickt sie langbeinige Models in Coco-Chanel- oder Dior-Look auf die ovale Fläche. Das mag nicht auf jeden Ostertisch passen, ein Hingucker sind die Kreationen allemal. Und das nicht nur im Frühjahr. „Ich arbeite das ganze Jahr über mit den Eiern“, sagt die Designerin. Zum Herbst hin werden ihre Straußeneier zu Lampen verarbeitet. Dann zückt Kramer ihren Dremel. In die Unterseite wird ein Loch gebohrt und vergrößert, damit das Kabel hineinpasst. Später bohrt sie Löcher in verschiedenen Mustern ins Ei, „für einen schönen Lichteffekt“. Wichtig dabei: Das Ei muss zuvor komplett von der Haut befreit sein, sonst ist sie zu sehen, wenn man das Licht einschaltet. Die Eier so zu präparieren ist aufwendig. Eine Arbeit, die sich dann auch im Preis niederschlägt: Für eine Lampe berechnet die Neu-Isenburgerin 199 Euro, ein verziertes Straußenei kostet 59 Euro.

Mal schlicht, mal verspielt: Aus Eiern lässt sich offenbar mehr machen, als man denkt. Zumal mit etwas Dekoration. Lucas Bäuml

Wie sie ihre Kunst auf die Eier bringt, das verrät sie nicht. Nur so viel: Es erinnert ein bisschen an Serviettentechnik. So male sie die Fashion-Hasen auf einen digitalen Block, der Entwurf wird später am Computer überarbeitet, bis es vom Stil her passt. Je nach Design fülle sie entsprechende Farben und Muster hinzu. Dann bekommen die Häsinnen etwa Tweed verpasst. Das Ganze kommt in den Drucker und werde dann auf das Ei übertragen. Dabei achtet Kramer penibel darauf, dass die Designs eine eigene Handschrift tragen und nicht zu nah an den Entwürfen der bekannten Modemarken sind. „Ich will mich ja nicht mit den großen Labels anlegen“, lacht sie.

Ihre Straußeneier bekommt sie unter anderem über Lieferanten aus Afrika. Diese unterstütze sie weiterhin, obwohl es mittlerweile auch Anbieter aus Deutschland gibt. Bei vielen Straußenfarmen werden die Eier nicht im Ganzen erhalten. Dort werde der Inhalt des Eis verarbeitet, unter anderem gibt es inzwischen Straußeneier-Likör, oder es werden in angeschlossenen Cafés Rühreier und Kuchen mit Straußeneiern hergestellt, wie Kramer sagt. Offenbar ein Trend. „Ein Ei ersetzt 25 Hühnereier.“ Zudem seien die Eier von Straußenvögeln sehr histamin- und cholesterinarm.

Die Ideen gehen ihr nicht aus. Ihr neustes Projekt sind verzierte Muscheln. Außerdem denkt sie unter anderem darüber nach, Schmuck für den Weihnachtsbaum zu gestalten. Einzelne Objekte, die besonders gut nachgefragt waren, will sie künftig vorproduzieren. So könne sie schneller versenden und Produktionsspitzen abfangen. Sie könne sich auch vorstellen, schön gemaserte Puteneier zu verarbeiten oder aber Schwaneneier. Nur Hühnereier, die werden ihr vermutlich auch in Zukunft nicht auf den Tisch kommen.

 

 

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