Wie legt man bloß los?

Der Anfang vom Weniger und vom Mehr.


Manchmal merkt man erst, wie viel Ballast man mit sich herumträgt, wenn man anfängt, die erste Schublade auszuräumen.

Eigentlich dachte ich, wir würden einfach für unseren Umzug packen. Ein paar Kartons hier, ein bisschen aussortieren dort. Doch schon nach den ersten Stunden wurde mir klar, dass es um viel mehr geht.

Denn wir ziehen nicht einfach um.

Wir verabschieden uns von einem Haus, das viele Jahre unser Zuhause war – und ziehen in ein Penthouse. Das bedeutet nicht nur weniger Quadratmeter, sondern ein völlig neues Lebensgefühl.

Wir lassen eine Waschküche zurück, zwei große Kellerräume, eine Garage, ein Gartenhaus, mein Atelier, unser Studio und einen über 500 Quadratmeter großen Garten. Einen Garten mit vielen kleinen Lieblingsorten: Liegestühle in der Sonne, ein Pavillon für laue Sommerabende, eine Lounge, die Outdoorküche und der Balkon, auf dem so viele Ideen entstanden sind.

Wenn ich das so schreibe, wird mir erst bewusst, wie viel Leben in diesen Orten steckt.

Und genau deshalb geht es bei diesem Umzug nicht nur um Möbel, Kartons oder Dekoration.

Es geht um ein ganzes Kapitel unseres Lebens.


Was ist unersätzlich auf all diesen Bildern?

Ein Zuhause besteht aus Erinnerungen

Jeder Raum erzählt seine eigene Geschichte.

Die Schublade in der Küche, in der sich über Jahre alles angesammelt hat, was "bestimmt irgendwann noch gebraucht wird".

Der Keller, der plötzlich zum Archiv vergangener Projekte geworden ist.

Das Atelier, in dem aus einer Idee ein handgefertigtes Unikat wurde.

Das Gartenhaus voller Dinge, die einmal einen festen Platz in unserem Alltag hatten.

Und dann dieser Garten.

So wunderschön er war – mit jedem Jahr wurde er auch ein Stück mehr Verantwortung. Rasen mähen, Hecken schneiden, Beete pflegen, aufräumen, instand halten. Etwas, das lange selbstverständlich war und irgendwann immer mehr Zeit und Energie eingefordert hat.

Mir wird gerade bewusst, wie viele Gegenstände wir besitzen, nur weil wir den Platz dafür hatten.

Loslassen fühlt sich zuerst falsch an

Ich habe schon oft ausgemistet.

Aber dieses Mal ist es anders.

Vielleicht, weil gleichzeitig so vieles in Bewegung ist.

Mein Shop verabschiedet sich langsam. Nach vielen Jahren voller Ideen, Farben, Naturmaterialien und unzähliger handgefertigter Unikate endet ein Kapitel, das mich unglaublich geprägt hat.

Und nun verabschieden wir uns auch von unserem Zuhause.

Es fühlt sich an, als würde das Leben sagen:

"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt."

Nicht später.

Nicht irgendwann.

Jetzt.

Zwischen Erinnerungen und Kartons

In den letzten Tagen hatte ich Dinge in der Hand, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Stoffe aus meiner Zeit als Modedesignerin.

Werkzeuge, die mich durch unzählige kreative Projekte begleitet haben.

Dekoration, die irgendwann ihren Platz gefunden hat – und inzwischen nur noch Staub sammelt.

Und plötzlich stellte ich mir immer wieder dieselbe Frage:

Macht mich dieser Gegenstand heute noch glücklich?

Nicht: War er einmal teuer?

Nicht: War er einmal wichtig?

Nicht: Könnte ich ihn vielleicht irgendwann brauchen?

Sondern:

Passt er noch zu unserem Leben?

Denn unsere Penthouse wird uns etwas schenken, das unser Haus nie konnte: Sie zwingt uns, bewusster zu entscheiden.

Jeder Gegenstand bekommt seinen Platz.

Oder eben nicht.

Weniger Dinge. Mehr Freiheit.

Früher dachte ich, ein Zuhause wird gemütlich, wenn man es immer weiter füllt.

Heute denke ich anders.

Ein Zuhause lebt nicht von der Anzahl seiner Räume.

Es lebt von den Menschen, die darin wohnen.

Je mehr Kartons unser Haus verlassen, desto ruhiger wirken die Räume.

Und erstaunlicherweise passiert genau dasselbe im Kopf.

Mit jedem Gegenstand, den ich guten Gewissens weitergeben kann, fühlt es sich ein kleines bisschen leichter an.

Nicht leer.

Leichter.

Fast so, als würde man nach Jahren endlich wieder tief durchatmen.

Der schwierigste Teil

Am schwersten sind nicht die großen Möbel.

Es sind die kleinen Dinge.

Mitbringsel.

Erinnerungsstücke.

Geschenke.

Kleinigkeiten, die kaum Platz brauchen und trotzdem unglaublich schwer sein können.

Nicht wegen ihres Gewichts.

Sondern wegen der Geschichten, die daran hängen.

Ich lerne gerade, dass Erinnerungen nicht in Gegenständen wohnen.

Sie wohnen in uns.

Und manchmal darf ein Gegenstand gehen, ohne dass die Erinnerung mitgeht.

Warum ich euch mitnehme

Eigentlich hätte ich diesen Prozess auch einfach für mich machen können.

Kartons packen.

Weiterziehen.

Fertig.

Aber ich glaube, viele von uns kennen dieses Gefühl.

Nicht unbedingt, weil sie vom Haus in ein Penthouse ziehen.

Sondern weil sich das Leben verändert.

Weil irgendwann der Moment kommt, an dem man merkt, dass Besitz nicht automatisch Lebensqualität bedeutet.

Und dass Loslassen manchmal der erste Schritt ist, um wieder Platz zu schaffen – für neue Ideen, neue Träume und ein neues Kapitel.

Deshalb möchte ich euch in den kommenden Wochen mitnehmen.

Nicht als Ordnungscoach.

Nicht mit perfekten Vorher-Nachher-Bildern.

Sondern als jemand, der gerade selbst erlebt, wie befreiend und gleichzeitig emotional dieser Weg sein kann.

Das ist erst der Anfang

Die ersten Kartons sind gepackt.

Die ersten Regale sind leer.

Und obwohl noch unglaublich viel vor uns liegt, fühlt sich dieser Anfang richtig an.

Vielleicht verlieren wir ein paar Quadratmeter.

Aber vielleicht gewinnen wir etwas viel Wertvolleres.

Mehr Zeit.

Mehr Leichtigkeit.

Mehr Raum für das, was wirklich zählt.

Und genau diese Reise möchte ich hier mit euch teilen.